Vor dem drohenden Dieselverbot: Unsere Stellungnahme!


Leider werden in der eher ideologisch geführten Debatte wichtige Tatsachen verschwiegen: Laut Umweltbundesamt ist die Stickstoffdioxid Gesamtbelastung zwischen 1990 und 2014 von 3 Millionen Tonnen auf ungefähr 1,3 Millionen Tonnen (um nahezu 60 Prozent!) zurückgegangen.

Die Belastungen der Luft mit Schadstoffen hat in den letzten 25 Jahren deutlich abgenommen, die Lebenserwartung jedoch deutlich zugenommen. Es gibt in Deutschland keine Überschreitung der europaweit geltenden Grenzwerte für Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Benzol und Blei mehr. In Osnabrück stellt der Feinstaub kein Problem mehr da, die Werte für NO2 sind rückläufig, werden aber noch an zwei von insgesamt drei Messstationen nach geltenden Grenzwerten leicht überschritten.

Statt Fahrverboten sieht das renommierte Fraunhofer Institut ein höheres Umweltschutz-Potenzial darin, für besseren Verkehrsfluss innerhalb der Großstädte zu sorgen. Bei flüssigem Verkehr sei der NOX-ausstoß je nach Straßentyp und Geschwindigkeit um 29 bis 55 Prozent geringer, als bei „Stopp & Go“. Demnach ist auch ein generelles Tempo 30 km/h Limit in der Stadt abzulehnen, da die optimale Auslegung der Motoren bei 50 und 120 Kilometer pro Stunde anliegt.
Laut Bundesgesetzblatt sind am Arbeitsplatz 950 Mikrogramm Stickoxide (8 Stunden am Tag 40 Stunden in der Woche) erlaubt – warum soll also eine Gefährdung entstehen, wenn zeitweise im Straßenverkehr 40 Mikrogramm überschritten werden ? Auch die Mutter mit Kind hält sich nicht dauerhaft am Neumarkt auf, schon für die Bewohner in den angrenzenden Häusern sind die Werte wieder deutlich niedriger. Obendrein halten wir uns zu mehr als 70 Prozent des Tages in Innenräumen auf.

Um politischen Druck aufzubauen, wird heute von 38000 Stickoxid-Toten im Jahr geredet. In der Feinstaub-Debatte, wo von 80000 Toten im Jahr die Rede war, hat Prof. Klingner vom Fraunhoferinstitut Dresden ausgerechnet, dass der Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub am Tag, der nur 35 mal im Jahr überschritten werden darf, den eingeatmeten Partikeln einer halben nikotinfreien Zigarette entspricht. Natürlich ist es gesünder, nicht zu rauchen – aber es wäre lebensfremd zu behaupten, man würde nach einer halben Zigarette mit Sicherheit sterben.

Die groß angelegte Langzeitstudie durch das Health Effect Institute, Boston (HEI 2015) bewies an Ratten durch Inhalation von Dieselabgasen eines EURO 5 Motors mit Partikelfilter, dass Auswirkungen auf die Lunge durch Partikel nicht nachweisbar waren. Leichte Reizungen der Atemwege traten erst bei einer NO2-Konzentration von etwa 8000 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft auf. Sogar Stickstoffdioxidkonzentrationen von 2000 µg, die den Emissionen eines EURO 5 Dieselmotors entsprechen, hätten keine nachteiligen Wirkungen in den Lungen der Versuchstiere ausgelöst.

So heißt es im Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages zum Abgas-Skandals, der vor Kurzem veröffentlicht wurde, dass epidemiologisch ein Zusammenhang zwischen Todesfällen und bestimmten Stickstoffdioxid-Expositionen im Sinne einer adäquaten Kausalität nicht erwiesen sei.www.bundestag.de/dokumente

Die Datenlage ist das Problem epidemiologischer Studien und somit auch der den Messstationen: Deutschland steht hier einsam an der Spitze: Das deutsche Messstellennetz ist dicht gewebt, im europäischen Ausland ist das Interesse jedoch nicht so groß: Konsultiert man die EU-Karte für Luftreinhaltung EMEP (European Monitoring and Evaluation Programme), erkennt man, dass Deutschland mit 51 Stationen einsam an der Spitze steht.

Länder wie Frankreich (28), Spanien (25) oder Finnland (25) besitzen oft nur halb so viel EMEP-Stationen. Griechenland (5), Polen (7) und Rumänien (8) liegen hier gar nur im einstelligen Bereich. Lediglich Großbritannien (49) und Schweden (31) nähern sich deutschem Niveau mit etwas mehr Messstationen.
Daher wohl der Brüssler Ausspruch: “In Brüssel wird es erdacht, in Deutschland gemacht, in Italien gelacht”
(Dieselanteil übrigens am Fahrzeugbestand EU-Kern (Januar – Mai 2017: Italien 56,1 Prozent, Deutschland 41,9 Prozent).

Eine Versachlichung der Debatte ist dringend angeraten!