Sanierungskosten Theater: BOB hat Klärungsbedarf – Einsparpotentiale aus Neubau nicht hinreichend geprüft


Neben den Kosten für die (Wieder-)Herstellung einer ordnungsgemäßen Spielstätte und die temporäre Unterbringung des Spielbetriebes während einer Sanierung ist auch die Höhe der zukünftigen Unterhaltungszuschüsse unbedingt zu betrachten“, so Kerstin Albrecht für die BOB-Fraktion. Bei Kosten von z. Zt. etwa 11 Mio. Euro jährlich belasten die Zuschüsse mittelfristig die Finanzen der Stadt Osnabrück im Betrachtungszeitraum von 30 Jahren in größerem Umfang als die notwendigen Baumaßnahmen. Von daher sei es unerlässlich zu prüfen, welchen Effekt eine Sanierung oder ein Neubau auf die Höhe der zukünftigen jährlichen Zuschüsse haben.

Die Verwaltung und die Städtischen Bühnen sollen nach Meinung des BOB die folgenden Einsparpotentiale eines Neubaus prüfen und den Mehrkosten eines Neubaus gegenüber stellen:
– Wegfall der Kosten für die Auslagerung des Spielbetriebes während einer dreijährigen Sanierung
– Reduzierung der Betriebs- und Personalkosten durch Optimierung aller Abläufe innerhalb des Betriebes durch einen Neubau nach tatsächlichem Bedarf statt Mehrkosten durch Kompromisse im Altbau und durch räumlich getrennten Probebetrieb für den Betrachtungszeitraum.

Außerdem gilt es zu erfahren, welche Erlöse für Grundstück und Immobilie im Verkaufsfall zu erwarten seien.

Auch die Kostenstruktur des Theaters selbst stelle ein Problem dar und müsse sich zukünftig einem engeren Controlling stellen. Lt. Statistischem Bundesamt beträgt die Personalkostenquote der deutschen Theater durchschnittlich 72,8 %. Osnabrück hat eine Quote von 78,44 %. Das sind 5,64 Prozentpunkte mehr oder umgerechnet 896.800 € mehr als der Durchschnitt.

Ungeachtet dessen sollten die Verwaltung und die Städtischen Bühnen dahingehend tätig werden, die erforderlichen Schritte einzuleiten, um mindestens 2/3 des Kostenvolumens zur Refinanzierung bei europäischen, Bundes- und Landesinstitutionen in der Region und privaten Spendern einzuwerben sowie entsprechende Gespräche mit dem Landkreis Osnabrück hinsichtlich einer stärkeren finanziellen Beteiligung zu führen.

Angesichts der immensen Kosten von 80 Millionen Euro ist die BOB-Fraktion der Meinung, dass es oberste Pflicht von Politik und Verwaltung ist, Sinn, Umfang und Zukunftsfähigkeit dieser Maßnahme grundsätzlich zu hinterfragen und auch anzuzweifeln! 

„BOB möchte zu einer differenzierten Betrachtungsweise der Theatersanierung aufrufen, die mehr Verständnis für notwendige Maßnahmen beim Bürger hervorruft und gleichzeitig die Notwendigkeit eines effektiv finanzierten Theaters für ein Oberzentrum wie Osnabrück verdeutlicht“; so Albrecht abschließend.

Zum Hintergrund: BOB möchte gerne ergebnisoffen zu einer neuen Prüfung auffordern, bei gleichzeitigem Aufruf zu betriebswirtschaftlicherem Handeln, um wesentlich weniger bis keine Zuschüsse fürs Theater zu erreichen und mit dem eingesparten Geld mehr Möglichkeiten für den Großteil der Osnabrücker Bürger zu schaffen – denn das Theater wird nur von einer Minderheit genutzt.

Zwar wurden bereits 3 Varianten geprüft, auch ein Neubau mit einer 1:1- Abbildung des heutigen Bestands. Hier wurde jedoch nicht explizit geprüft, welche mittel- und langfristigen Effekte ein Neubau auf die Betriebskosten und somit die Zuschüsse hätte. Da ein Zuschuss in der bisherigen Höhe, gemessen am Betrachtungszeitraum von 30 Jahren, die bisher ermittelten Baukosten um ein Vielfaches übersteigt, ist eine Prüfung der Folgen eines Beschlusses, wie der Theaterbetrieb in Zukunft fortgeführt wird, auf die zukünftigen Kosten unbedingt notwendig. Ein großes Einsparpotential ergäbe sich schon daraus, dass keine Kosten während der Bauphase für die Auslagerung des Spieltriebes entstehen und 5 Mio. Euro für den Neubau eines Probenzentrums gespart würden.

Bei mit Sicherheitspuffer geplanten Sanierungskosten von ca. 80 Mio. Euro könnte ein Neubau nach diesem Gutachten eventuell mit ca. 90 Mio. Euro (was nur bei einer 1:1 Variante der Fall wäre) kalkuliert werden. Zudem ist davon auszugehen, dass ein Neubau größere Planungssicherheit bietet, da unvorhersehbare Herausforderungen wie bei der Sanierung eines über 100 Jahre alten Gebäudes nicht zu erwarten sind.

Jedoch würde ein Neubau hingegen die Betriebsabläufe optimieren, da z.B. Wege gespart werden und die technische Ausstattung, insbesondere die Bühnentechnik, dem heutigen Stand der Technik angepasst würden. Die Mehrkosten für den Betrieb eines externen Probenzentrums entfielen ebenso wie zusätzliche Kosten für interne Wege und Transporte. Gerechnet auf 30 Jahre wäre hier eine Ersparnis von jährlich mind. 1 Mio. Euro oder mehr realistisch. Auf 30 Jahre konservativ gerechnet ergeben sich Einsparungen von wohl mehr als 30 Mio. Euro, die jährlichen Zuschüsse von ca. 11 Mio. Euro könnten somit ebenfalls reduziert werden.

Fraglich sei auch, ob das Theater 1:1 übernommen werden müsste. Möglicherweise lassen sich z. B. Dienstleistungen, die das Theater in Eigenregie leistet, kostengünstig outsourcen. Die im Falle eines Neubaus zu erwartenden Erlöse aus der Veräußerung oder geänderten Nutzung der Altimmobilie sind bis jetzt noch nicht beziffert worden.

So eingesparte Mittel könnten als Beitrag der Stadt für den Bau einer Mehrzweckhalle in Osnabrück als Public-, Private-Partnership-Projekt verwendet werden, um das Kulturangebot über das Theater hinaus für breite Bevölkerungsschichten zu erweitern. In Lingen wurde eindrucksvoll bewiesen, was mit „nur“ 21 Mio. Euro möglich ist.

Siehe auch hierzu:

Hasepost: Theatersanierung für Osnabrücker Bürger teurer als Elbphilharmonie für Hamburger