PM BOB: FDP Vorschläge führen in eine Sackgasse


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Die leichtfertige Ablehnung des Modellversuches der „Berliner Kissen“ durch die FDP (NOZ 22.10.2016) kompromitiert die langwierige Arbeit der Stadtverwaltung, der Städteplaner, der Parteien und der Anwohner der “Runden Tischen”, welche nach der Bürgerbefragung 2014 eine gerechte Lösung für Osnabrück und die verkehrlich stark belasteten Quartiere an der „heimlichen Westumgehung“ gesucht haben.

 

Ein Abbruch noch vor Ende der Testphase würde ebenso eine fahrlässige Verschwendung der steuerfinanzierten zweijährigen Arbeitsphase ohne Erreichen eines validen Ergebnisses bedeuten. Eine „einfache“ Sperrung der „stark vom Durchgangsverkehr“ belastet Straßen ist unseriöses Wunschdenken, da diese ohne verkehrstechnisch geeignete und umfeldverträgliche Alternativrouten nicht realisiert werden kann (s. a. Masterplan Mobilität 2010). Seriöse Verkehrsplaner lassen keinen Zweifel daran zu, dass der Wall eine Mehrbelastung nicht mehr auffangen kann – dennoch spricht sich die FDP z. B. für eine A 33 Nord aus, lehnt aber hier notwendige Netzerweiterung ab.

 

BOB fragt: Wie soll eine Sperrung funktionieren, zumal der Neumarkt nach dem Willen der FDP ebenfalls gesperrt werden soll und die Verkehrsprognosen bis 2030 eine nicht mehr zu verkraftende Mehrbelastung für den Wall voraussagen (TSC Gutachten 2015)?

 

Ein weiterer K.O. Schlag für den gesunden Menschenverstand und den Individualverkehr stellt die „Einbahn-Ring“ Idee der FDP da. Kein Wort davon, das dieses Konzept bereits 1999 von der Verwaltung verworfen worden ist, kein Wort davon, dass diese Idee in vergleichbaren Städten wie Rendsburg wg. der unvermeidlichen Umwegfahrten gescheitert ist. Die „Einbahn-Ringidee“ ist angesichts der Länge des Osnabrücker Walls nicht nur für den Quell-/Zielverkehr der Innenstadt, sondern auch vieler anderer nur abschnittsweise über den Wallring führender Fahrtrelationen mit erheblichen Umwegfahrten verbunden. Da die FDP gleichzeitig weiterhin auf eine Sperrung der wichtigen Ost-West-Achse Neumarkt besteht, würden sich die unvermeidbaren umfeldunverträglichen Alternativrouten durch die Anliegerstrassen potenzieren.  

 

BOB meint: Die „Einbahn“ Idee ist angesichts der erheblichen Verkehrsbelastung des Wallringes mit über 40.000 Kfz/24h nicht nur ökonomisch (Zeitverluste, zusätzliche Fahrtkosten), sondern auch ökologisch völlig inakzeptabel (Ressourcenmehrverbrauch, zusätzliche – vermeidbare  (!) – Lärm- und Abgasimmissionen). Selbst bei einer nur überschlägliche Kosten-Abschätzung der volkswirtschaftlichen Kosten bei 40.000 Kfz/Tag,  Fahrtkosten von 0,30 €/km und Zeitkosten von 0,20 €/min bei angenommenen mittleren Umwegen von 2,0 km Länge führt dies zu vermeidbaren Kosten von 14.6 Mio/Jahr (2 x 0,5 x 40.000 = 40.000 €/d ). Bei einem zugrunde zu legenden Betrachtungszeitraum von 10 Jahren zu Umwegkosten von 146 Mio. € –  dafür könnte man einen mit Marmor ausgestatteten Tunnel durch den Neumarkt bauen.

 

BOB regt an: Nicht nur für den Wall in Osnabrück eine verkehrstechnische Optimierung durch ein neutrales (!) qualifiziertes externes Fachbüro erstellen zu lassen, um so dem alltäglichen Eindruck entgegen zu wirken, dass die zuständigen Ämter der Stadt OS hier längst nicht alle Optimierungspotentiale ausgeschöpft haben  – oder nicht ausschöpfen durften, weil eine einseitige und bürgerferne, ideologisch verblendete lokale Verkehrspolitik den ÖPNV mit Busspuren und Vorrangschaltungen priorisieren möchte. Die Bemühungen der Grünen, die Osnabrücker Innenstadt „Autofrei“ zu gestalten sind bekannt, ebenso kündigte die FDP Osnabrücks im Juli 2016 an: „Autofahrern will die FDP in Osnabrück das Leben schwerer machen: Denn Verbesserungen und Anreize für den Umweltverbund aus Fuß-, Rad- und öffentlichem Nahverkehr würden umso stärker wirken, „je konsequenter sie gleichzeitig mit Restriktionen gegen den motorisierten Individualverkehr verknüpft werden“.

 

BOB nennt weitere Beispiele: Insbesondere die  von der Pernickelmühle kommenden Linksabbieger an der Kreuzung Vittischanze stellen ein Problem dar, da die beiden parallelen Linksabbiegespuren dort de facto nur einstreifig nutzbar sind und der Stauraum dadurch viel zu kurz ist. Ein Verzicht auf eine Linksabbiegemöglichkeit in die Hasestraße könnte hier leicht Abhilfe schaffen – denn dann könnten die Verkehrsteilnehmer die linke der beiden Linksabbiegespuren auch voll nutzen. 
Der Verzicht auf die Linksabbiegerspur könnte ebenso am Arbeitsamt für die Vermeidung von Staus sorgen. Die Unfälle an der scheinbar „entschärften“ Todeskreuzung belegen ebenso, dass hier Optimierungsbedarf besteht.

 

Mehr Bürgernähe, weniger Ideologie !

 

BOB, 23.10.2016